* Fiat X 1/9 * Bertone X 1/9 *

X 1/9 Geschichte

Nun ist es also schon über 43 Jahre her, daß unser „Kleiner“ vorgestellt und bereits in kleiner Menge verkauft wurde. Es war die Zeit von Sex and Drugs and Rock’n Roll. Schlaghosen und lange Haare waren auch bei den Jungs beliebt. Die Beatles hatten sich gerade getrennt und die Stones spielten „I can’t get no satisfaction“. Es war 1972 auf der Turiner Motor Show, als ein kleiner, zweisitziger Sportwagen vorgestellt wurde: Der Fiat X 1/9. Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1964 zurück. Damals wurde ein gewisser Autobianchi Primula vorgestellt. Dieser Wagen hatte schon einen quereingebauten Frontmotor mit Frontantrieb, zur damaligen Zeit recht ungewöhnlich. Fiat stellte früher viele seiner neuen Autos unter anderem Namen, meist unter Autobianchi, vor. Man hatte wohl Angst vor einem eventuellen Mißerfolg. Später wurde das Fiat 128-Projekt zur Entwicklung von Front- und Mittelmotoren von Dante Giacosa geleitet. Hieraus entstand dann die 128er-Familie. Zu dieser Zeit war auch der Motorenmann Lampredi dabei, einen 1,1 Liter großen 4-Zylinder zu entwickeln. Dieser Motor zeichnete sich durch hohe Standfestigkeit und Drehzahlwilligkeit aus. Er war außerdem durch Aufbohren leicht auf 1290 ccm anzuheben, später durch eine andere Kurbelwelle sogar auf 1498 ccm. Fiat war zu dieser Zeit auf der Suche nach einem Konzept für einen verwandelbaren Wagen auf Basis des neuen 128. Bertone hingegen brauchte einen Nachfolger für die Produktion des 850 Spider. Bertone bevorzugte den Bau eines kleinen Mittelmotorsportwagens, der auch günstig zu bauen wäre. Dieser Konflikt zwischen Fiat und Bertone, 128 Cabrio gegen Mittelmotor, spiegelt sich bei genauerem Betrachten während der gesamten 16jährigen Bauzeit wieder. Bertone warf man vor, einen „Arme Leute-Miura“ bauen zu wollen.1969 stellte Bertone den „Runabout“ vor. Dieser Wagen war die Studie zum X 1/9 und sollte das Publikumsinteresse testen. Aufgebaut zu 2/3 aus dem Fiat 850, bestand das Heck aus der Front des 128 – nur um 180° gedreht. Offiziell vorgestellt wiederum als Autobianchi hatte dieses „Dreamcar“ die Komponenten des 128. Gebaut wurden zwei Prototypen, einer mit dem Motor des 128, einer mit dem Simca 1200 S Motor. So sangen denn 1973 Cindy & Bert „Immer wieder Sonntags“, „Die Zwei“ jagten im Dino und Aston Martin über die Fernsehlandschaft und einige von uns konnten „ihren Traum“ auf Deutschlands Straßen bewundern. Wenn ich mir unsere Mitgliederliste so anschaue, haben die meisten aber noch Windeln getragen und vom Dreirad geträumt, oder als Quark im Kühlschrank gestanden. Zu dieser Zeit suchte Fiat auch einen Nachfolger für den Einsatz des 124 im Rallyesport. Die Wahl fiel auf den X 1/9, welcher dann zur Homologation in einer Stückzahl von 200 Einheiten von Bertone gebaut werden sollte. Leider wurde aus diesem Projekt nichts, denn man entschied sich kurzfristig für den neuen Fiat 131, um diesen besser am Markt plazieren zu können. So entstanden nur fünf X 1/9 Abarth, die allerdings recht vielversprechend eingesetzt wurden.In Turin 1972 vorgestellt, wurden noch im selben Jahr 250 Autos in Italien verkauft, ab 1973 lief dann der Verkauf in Europa an. 1974 begann der Export in die USA, wegen der scharfen Abgasbestimmungen mit einem auf 66 PS gedrosselten Triebwerk. Aufgrund der Verkaufserfolge in den Jahren 1973 und 1974 stellte Bertone 1975 auf der Turiner Motor Show den X 1/9 Corsa vor. Ein mit Front- und Heckspoiler sowie Alufelgen und entsprechendem Schriftzug aufgewerteter 1300er X 1/9. Leider wurde dieser Wagen nie offiziell produziert, weshalb auch nur ein Fahrzeug bekannt ist. Fiat sah den X 1/9 immer mit kritischen Augen, eher als Konkurrenten zu den eigenen Sportwagen, und plante ihn sogar schon 1976 vom Markt zu nehmen. Im gleichen Jahr gab es dann auch offiziell Rechtslenker für den englischen Markt. Im April 1978 wurde der in nur 700 Einheiten gebaute „Lido“ ausgeliefert, leider nie offiziell nach Deutschland. 1978 vollzog sich dann der Wechsel vom 1300er auf den 1500er und ab 1980 gab es in den USA den 1500er auch als Einspritzer mit 75 PS. Nach vielen Querelen zwischen Fiat und Bertone übernahm dieser ab 1981 auch den Vertrieb des X 1/9, seitdem verkauft als Bertone X 1/9. Bis Ende 1988 entstanden etwa 160.000 Fiat/Bertone X 1/9. Im März 1989 wurde exklusiv für England der „Grand Finale“ in ca. 2000 Einheiten ausgeliefert. Dann war nach 17 Jahren und vielen Modellen, vom „Exclusiv“ bis zum „Grand Finale“, endgültig Schluss. Zu erwähnen wäre noch die Firma Alcan Aluminium aus Montreal/Quebec, die 1986 fünf Alu-X 1/9 baute. Einer dieser fünf – ein roter – steht heute im Werksmuseum von Fiat. Auf alle Modellvarianten des X 1/9 einzugehen, würde an dieser Stelle zu weit führen und das Format eines Buches annehmen.